Bugatti

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BUGATTI

Deutsches Reitpony v. Black Boy, *2005

 

 


Zu Bugatti kam ich, weil ich unbedingt nochmal einen echten "Bugatti" haben wollte. Der damalige Reitponyhengst der Station Lichtsinn hatte es mir einfach angetan. Doch leider war dieser bereits vor einer ganzen Weile gestorben, so dass es schwierig war, einen jungen Nachkommen zu finden. So stieß ich auf "Bugatti vom Immenhof", wie er damals schon hieß. Der Vater Black Boy und die Mutter eine Bugatti-Sute, versprachen, dass er ein großes, kräftiges und nervenstarkes Pony werden würde. Ich verguckte mich sofort in ihn und als er ein gutes halbes Jahr alt war, zog er bei mir ein. Zusammen mit seinem Kumpel konnte er erstmal für sehr lange Zeit sein kleines Ponyleben genießen.

 

Leider stellte sich irgendwann heraus, dass er -entgegen unserer Vermutungen- eher klein und sehr kurz und zierlich bleiben sollte. Für eine ganze Weile war gar nicht klar, ob ich ihn überhaupt eines Tages reiten konnte. So ging er als Handpferd mit ins Gelände, wir gingen spazieren und ich bildete ihn sehr intensiv am Boden aus. Nun hatte ich die Möglichkeit, all meine neuen Erkenntnisse und das Erlernte anzuwenden. Noch bevor ich mich das erste Mal drauf setzte, waren ihm Begriffe, wie "Dehnungshaltung", "Stellung und Biegung" und auch die ersten Seitengänge keine Fremdwörter mehr. Durch die fast einjährige Vorbereitung an der Longe, an der Hand und am langen Zügel, konnten wir bereits von erster Balance und Geraderichtung sprechen, was die Arbeit unter dem Sattel unheimlich erleichterte. Wir hatten bereits eine tolle Vertrauensbasis und alle gängigen Stimmkommandos waren ihm vertraut. So war das erste Aufsteigen und Losreiten eigentlich nur noch eine Kleinigkeit. Bereits beim ersten Mal, konnte ich im Schritt und Trab wenige Runden auf der Weide drehen. Ohne Longe, denn wir verstanden uns ja schon. 

 

Doch obwohl er beim Anreiten bereits gute 4 Jahre alt war, habe ich ihm ganz viel Zeit gegeben. Er war nicht nur körperlich, sondern auch vom Kopf her noch ein Kind und noch lange nicht so weit. Aber ich hatte ja alle Zeit der Welt und die sollte er auch bekommen. Ich üben mich lieber anfangs in Geduld, habe aber dafür lange ein gesundes und motiviertes Pony. So bekam er immer wieder lange Pausen und die Reit- und Bodenarbeiteinheiten wurden kurz gehalten. Für mich persönlich ist dieses Konzept aufgegangen. Auch wenn andere Pferde in seinem jetzigen Alter sicherlich viel weiter sind, bin ich glücklich darüber, dass ich ein jederzeit motiviertes Pony habe, dem die Arbeit Spaß macht. Und das Allerwichtigste ist: Es ist leicht und harmonisch. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man feststellt, dass das Pferd etwas tut, weil es dies verstanden hat und es gerne zeigt. Oft muss ich ihn in seiner Motivation mir etwas zu bieten, sogar bremsen. Er neigt dann eher dazu von allem ein bißchen zu viel zu machen. 

 

Charakterlich ist Bugatti manchmal eine kleines Herausforderung. Er ist einfach ein Sensibelchen in jeder Hinsicht und man muss Fehler immer sehr behutsam aufzeigen. Und obwohl er früh und eher spielerisch an viele Dinge gwöhnt wurde, ist er noch immer sehr skeptisch, machmal sogar ängstlich. Aber auch das wird langsam besser. Ich denke, je reifer er wird, desto mehr Gelassenheit wird sich einstellen.

 

Bugatti ist das beste Beispiel dafür, dass es wichtig ist, auf die vielen verschiedenen Charaktere der Pferde einzugehen und Rücksicht zu nehmen. Und, dass es wichtig ist, dass man Geduld beweist und ihnen die Zeit gibt, die sie brauchen. Manchmal geht es dann hinterher viel einfacher und schneller, als man damit gerechnet hat.